Der AI Act trat im August 2024 in Kraft. Seine Verbote und die Pflicht zur KI-Kompetenz gelten seit Februar 2025; im Juli 2026 verschob eine zweite Verordnung die Regeln für Hochrisiko-Anwendungen, darunter Einstellung und Führung von Beschäftigten, auf Dezember 2027. Eurostat zählt 2025 jedes fünfte EU-Unternehmen mit KI. Das Gesetz ordnet Anwendungen in vier Risikostufen, verbietet Emotionserkennung am Arbeitsplatz und gibt Arbeitgebern, die Hochrisiko-Systeme betreiben, eigene Pflichten, angefangen damit, das Team zu informieren.
Management Review · Zweite Serie · November 2026 · Nr. 41
KI und die Regeln bei der Arbeit: der EU AI Act
Was wann gilt, nach dem Aufschub von 2026, wie viele Unternehmen KI nutzen, die vier Risikostufen, was ein Arbeitgeber vor dem Start eines Hochrisiko-Systems tun muss, was KI-Kompetenz verlangt, und eine Karte für jedes KI-System im Team.
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Management Review · Nr. 41
Die Zahlen der Ausgabe
Die Grafiken der gedruckten Seiten, mit ihren Quellen.
Quellen: Eurostat, Usage of AI technologies increasing in EU enterprises, 2025; Eurostat, Use of artificial intelligence in enterprises (Statistics Explained, data 2025)
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In dieser Ausgabe
KI-Werkzeuge können Schichten planen, Bewerbungen sortieren oder Arbeit prüfen, und seit 2024 hat die EU ein Gesetz dafür. Diese Ausgabe zeigt, was der AI Act von einer Führungskraft verlangt, deren Team KI nutzt, was schon gilt und was verschoben wurde. Sie beschreibt das Gesetz; sie ist keine Rechtsberatung.
Der AI Act trat im August 2024 in Kraft. Seine Verbote und die Pflicht zur KI-Kompetenz gelten seit Februar 2025; im Juli 2026 verschob eine zweite Verordnung die Regeln für Hochrisiko-Anwendungen, darunter Einstellung und Führung von Beschäftigten, auf Dezember 2027. Eurostat zählt 2025 jedes fünfte EU-Unternehmen mit KI. Das Gesetz ordnet Anwendungen in vier Risikostufen, verbietet Emotionserkennung am Arbeitsplatz und gibt Arbeitgebern, die Hochrisiko-Systeme betreiben, eigene Pflichten, angefangen damit, das Team zu informieren.
Stiven Janaqi, Herausgeber
Titelthema
Was gilt, und ab wann
Der AI Act, die Verordnung (EU) 2024/1689, trat am 1. August 2024 in Kraft und gilt schrittweise. Im Juli 2026 änderte die EU einen Teil seines Zeitplans mit einer zweiten Verordnung, dem Digital-Omnibus zur KI.
- 2025 2. Februar: die Verbote, darunter Emotionserkennung am Arbeitsplatz, und die Pflicht zur KI-Kompetenz.
- 2026 2. August: der Großteil des Gesetzes, auch die Transparenz bei Chatbots und Deepfakes.
- 2027 2. Dezember: Hochrisiko-Regeln für Anwendungen nach Anhang III, darunter Arbeit und Einstellung.
- 2028 2. August: Hochrisiko-Regeln für KI in regulierten Produkten.
Der Aufschub ist Gesetz, kein Vorschlag. Die Kommission schlug ihn im November 2025 vor, weil die Normen für Hochrisiko-Systeme fehlten; das Parlament stimmte am 16. Juni 2026 zu, der Rat am 29. Juni, und die Verordnung (EU) 2026/1744 trat am 27. Juli 2026 in Kraft. Anhang III rückte vom 2. August 2026, die Produktregeln vom 2. August 2027. Seit August 2025 gelten die Regeln für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck und die Sanktionen.
Unsere Lesar t
Verschoben wurden die Hochrisiko-Regeln, nicht die Verbote oder die KI-Kompetenz. Diese gelten seit Februar 2025.
Daten nach Artikel 113 in der Fassung von 2026. Das Gesetz erfasst auch Unternehmen außerhalb der EU, wenn die Ergebnisse ihrer KI in der EU verwendet werden (Artikel 2). Eine Beschreibung des Gesetzes, keine Rechtsberatung.
Quellen: European Parliament and Council of the European Union, Official Journal of the EU, 2024; European Parliament and Council of the European Union, Official Journal of the EU, 2026 (über European Parliament, P10_TA(2026)0198; European Commission; Gibson Dunn and Cooley, 2026); European Commission, Shaping Europe's digital future, 2026
Die Zahlen
KI in jedem fünf ten Unternehmen
Eurostat fragt Unternehmen in der EU mit mindestens 10 Beschäftigten, ob sie KI-Technologien nutzen, etwa Text Mining, Spracherkennung oder Sprachgenerierung. Der Anteil hat sich in zwei Jahren mehr als verdoppelt.
EU-Unternehmen mit 10 und mehr Beschäftigten, die KI nutzen: 2023 8,0 %, 2024 13,5 %, 2025 20,0 %.
Die Größe macht den Unterschied: 2025 nutzten 55 % der großen Unternehmen KI, 30 % der mittleren und 17 % der kleinen. Im Sinne des Gesetzes ist jedes Unternehmen, das ein KI-System in eigener Verantwortung verwendet, Betreiber, nicht nur die Unternehmen, die es bauen.
Unsere Lesar t
Die meisten Unternehmen begegnen dem Gesetz als Nutzer gekaufter Werkzeuge. Für sie gelten die Pflichten des Betreibers.
EU-27, Unternehmen mit 10 und mehr Beschäftigten; Kleinstunternehmen sind nicht erfasst. Nutzung mindestens einer KI-Technologie, nicht nur generativer KI. Der Betreiber ist in Artikel 3 Nummer 4 des Gesetzes definiert.
Quellen: Eurostat, Usage of AI technologies increasing in EU enterprises, 2025; Eurostat, Use of artificial intelligence in enterprises (Statistics Explained, data 2025); European Parliament and Council of the European Union, Official Journal of the EU, 2024
Das Modell
Vier Risikostufen
Das Gesetz regelt KI-Anwendungen nach ihrem Risiko für Gesundheit, Sicherheit und Grundrechte. Die Europäische Kommission beschreibt vier Stufen, vom Verbot bis zu keinen neuen Regeln.
- Unannehmbar: verboten. Unter den Praktiken in Artikel 5: Emotionen von Menschen am Arbeitsplatz ableiten, außer aus medizinischen oder Sicherheitsgründen; Social Scoring; Manipulation.
- Hoch: strenge Pflichten. Anhang III, Nummer 4: KI zur Einstellung und Auswahl, für Entscheidungen über Beförderung oder Kündigung, zur Aufgabenverteilung nach Verhalten oder Merkmalen oder zur Überwachung und Bewertung der Leistung.
- Transparenz: Menschen informieren. Menschen müssen wissen, wenn sie mit einem Chatbot sprechen; Deepfakes müssen gekennzeichnet sein (Artikel 50).
- Minimal: keine neuen Regeln. Etwa Spamfilter oder KI in Videospielen.
In ihren Leitlinien von 2025 wertet die Kommission ein Callcenter als verboten, das den Ärger seiner Beschäftigten per Webcam und Spracherkennung verfolgt. Bei Kunden gilt das nicht, wenn nicht zugleich das Personal erfasst wird. Müdigkeit und Schmerz sind körperliche Zustände, keine Emotionen.
Unsere Lesar t
Die Stufe hängt von der Anwendung ab, nicht von der Software: Dasselbe Werkzeug kann Routen planen oder Menschen einstufen.
Ein System nach Anhang III kann aus der hohen Stufe fallen, etwa wenn es nur eine eng begrenzte Verfahrensaufgabe erfüllt (Artikel 6 Absatz 3); eines, das Profile von Menschen erstellt, nie. Die Leitlinien sind nicht verbindlich.
Quellen: European Commission, Shaping Europe's digital future, 2026; European Parliament and Council of the European Union, Official Journal of the EU, 2024; European Commission, 2025 (über Lewis Silkin and Covington, 2025)
Wie es umgesetzt wird
Bevor das System star te t
Ein Unternehmen, das ein Hochrisiko-KI-System in eigener Verantwortung verwendet, ist dessen Betreiber. Artikel 26 gibt dem Betreiber eigene Pflichten, getrennt von denen des Anbieters; für Systeme nach Anhang III gelten sie ab dem 2. Dezember 2027.
- Der B
e triebsanleitung folgen. Das System so verwenden, wie es die Betriebsanleitung des Anbieters vorsieht (26 Abs. 1). - Aufsicht benennen. Mit Kompetenz, Schulung und Befugnis dafür, und mit Unterstützung (26 Abs. 2).
- Zuerst das Team informieren. Arbeitgeber informieren die Arbeitnehmervertretung und die betroffenen Beschäftigten, bevor das System am Arbeitsplatz eingesetzt wird (26 Abs. 7).
- Überwachen und melden. Zeigt sich ein Risiko, Anbieter und Behörde informieren und die Nutzung aussetzen; schwerwiegende Vorfälle melden (26 Abs. 5).
- Pro
t okolle aufbewahren, Be troffene informieren. Protokolle mindestens sechs Monate; Personen, über die es entscheidet oder mitentscheidet, werden informiert (26 Abs. 6 und 11).
Unsere Lesar t
Die Information an das Team kommt vor dem ersten Einsatz, nicht nach der ersten Beschwerde.
Eine Auswahl der Pflichten aus Artikel 26; der Digital-Omnibus verschob ihr Datum, nicht ihren Inhalt. Die Information folgt den nationalen Regeln zur Unterrichtung der Beschäftigten. Keine Rechtsberatung.
Quellen: European Parliament and Council of the European Union, Official Journal of the EU, 2024; European Parliament and Council of the European Union, Official Journal of the EU, 2026 (über European Parliament, P10_TA(2026)0198; European Commission; Gibson Dunn and Cooley, 2026)
Wie man es misst
KI-Kompe tenz: was zählt
Artikel 4 gilt seit dem 2. Februar 2025 für alle Anbieter und Betreiber, unabhängig vom Risiko des Systems. Der Digital-Omnibus hat 2026 seinen Wortlaut abgeschwächt; die Pflicht bleibt.
Bis Juli 2026
- Nach besten Kräften ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz sicherstellen
- bei Personal und anderen, die KI in ihrem Auftrag bedienen
Seit Juli 2026
- Maßnahmen ergreifen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz zu fördern
- Kein garantiertes Niveau für einzelne Personen
Beide Fassungen berücksichtigen Wissen, Erfahrung und Ausbildung der Menschen, den Einsatzkontext und die Betroffenen. Die Fragen und Antworten der Kommission verlangen ein allgemeines Verständnis von KI, die Rolle des Unternehmens als Anbieter oder Betreiber und die Risiken seiner Systeme. Ein Zertifikat ist nicht nötig; ein interner Nachweis der Schulungen genügt. Die nationalen Marktüberwachungsbehörden beaufsichtigen ab August 2026.
Hypothe tisches Beispiel, ein Dispositionsteam mit zwei KI-Werkzeugen
- Wer KI nu
t z t: 12 von 14 Personen, ein Routenplaner und ein Chatbot - Schulung: eine Stunde zu Grenzen und Fehlern; 10 von 12 erledigt
Der Nachweis nennt Datum, Inhalt und Teilnehmende. Team und Zahlen sind erfunden.
Die beiden Fassungen sind aus Artikel 4 vor und nach der Verordnung (EU) 2026/1744 zusammengefasst; das Beispiel stammt von der Redaktion.
Quellen: European Parliament and Council of the European Union, Official Journal of the EU, 2024; European Parliament and Council of the European Union, Official Journal of the EU, 2026 (über European Parliament, P10_TA(2026)0198; European Commission; Gibson Dunn and Cooley, 2026); European Commission, Shaping Europe's digital future, 2026
Mehr im Essay: „Schau, wie ich es mache“ ist keine Einarbeitung
Werkzeug der Ausgabe
Die KI-Kar te für das Team
Eine Karte für jedes KI-System, das das Team nutzt. Vor dem ersten Einsatz ausfüllen, beim Schulungsnachweis aufbewahren und wieder ansehen, wenn sich das System oder sein Einsatz ändert. Probleme mit dem System gehören in die Schichtübergabe, mit verantwortlicher Person und Uhrzeit.
- System und Anbi
e ter was es tut, wer es liefert, wo die Betriebsanleitung liegt - Einsa
t z und Risikostufe wofür wir es nutzen; verboten, hoch, Transparenz oder minimal; wer entschieden hat - Aufsicht wer es beaufsichtigt, mit welcher Schulung, und wer es stoppen darf
- Team informie
r t wann und wie; auch die Arbeitnehmervertretung - KI-Komp
e tenz was die Menschen gelernt haben, wann, wo der Nachweis liegt - Probleme und Pro
t okolle wer an den Anbieter meldet, wo die Protokolle liegen, wie lange
Eine Praxis, die die Redaktion vorschlägt, nach den Artikeln 4, 5 und 26 sowie Anhang III des AI Act und den vier Stufen der Kommission. Sie ersetzt weder Rechtsberatung noch die Anleitung des Anbieters.
Quellen: European Parliament and Council of the European Union, Official Journal of the EU, 2024; European Commission, Shaping Europe's digital future, AI Act: Regulatory framework for AI, 2026; European Commission, Shaping Europe's digital future, AI Literacy: Questions & Answers (updated 27 July 2026)
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Quellen und Methode
Jede Zahl hat eine Quelle.
Die Zahlen dieser Ausgabe stammen aus den folgenden Quellen. Das Jahr zeigt, wie aktuell jede ist.
- European Parliament and Council of the European Union, Official Journal of the EU, “Regulation (EU) 2024/1689 laying down harmonised rules on artificial intelligence (Artificial Intelligence Act)”, 2024. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2024/1689/oj
- European Parliament and Council of the European Union, Official Journal of the EU, “Regulation (EU) 2026/1744 amending Regulations (EU) 2024/1689, (EU) 2018/1139 and (EU) 2023/1230 (Digital Omnibus on AI)”, 2026 (über European Parliament, P10_TA(2026)0198; European Commission; Gibson Dunn and Cooley, 2026). https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2026/1744/oj
- European Commission, Shaping Europe's digital future, “AI Act: Regulatory framework for AI”, 2026. https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/regulatory-framework-ai
- European Commission, “Commission Guidelines on prohibited artificial intelligence practices established by Regulation (EU) 2024/1689 (AI Act)”, 2025 (über Lewis Silkin and Covington, 2025). https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/library/commission-publishes-guidelines-prohibited-artificial-intelligence-ai-practices-defined-ai-act
- European Commission, Shaping Europe's digital future, “AI Literacy: Questions & Answers (updated 27 July 2026)”, 2026. https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/faqs/ai-literacy-questions-answers
- Eurostat, “Usage of AI technologies increasing in EU enterprises”, 2025. https://ec.europa.eu/eurostat/web/products-eurostat-news/w/ddn-20250123-3
- Eurostat, “Use of artificial intelligence in enterprises (Statistics Explained, data 2025)”, 2025. https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?title=Use_of_artificial_intelligence_in_enterprises
Redaktionelle Me thode
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