In einer Gallup-Studie von 2019 fühlten sich 28 % der Vollzeitbeschäftigten sehr oft oder immer ausgebrannt. In Deutschland arbeiten 48 % häufig unter starkem Termin- oder Leistungsdruck; in Europa berichten über 40 % von hohem Zeitdruck. Die WHO zählt Burnout als berufsbezogenes Phänomen, nicht als Erkrankung. Gallup verbindet Burnout am stärksten mit unfairer Behandlung, nicht zu bewältigender Arbeitslast, unklaren Rollen, wenig Unterstützung durch die Führungskraft und unangemessenem Zeitdruck; Maslach und Leiter nennen sechs Bereiche, in denen Arbeit und Mensch nicht zusammenpassen.
Management Review · Monatsausgabe · Oktober 2026 · Nr. 29
Burnout und Arbeitslast
Wie oft sich Menschen ausgebrannt fühlen, Druck in Deutschland und Europa, was die WHO als Burnout zählt, Gallups fünf Faktoren, sechs Bereiche des Arbeitslebens und eine Karte für ein Gespräch.
- Nr.
- 29
- Seiten
- 10
- Quellen
- 8
- Themen
- Menschen
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Management Review · Nr. 29
Die Zahlen der Ausgabe
Die Grafiken der gedruckten Seiten, mit ihren Quellen.
Quelle: Gallup, 2020
Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), 2020
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In dieser Ausgabe
Burnout wird oft als persönliches Problem behandelt. Die WHO verortet es in der Arbeit: chronischer Stress am Arbeitsplatz, der nicht bewältigt wurde. Diese Ausgabe zeigt, wie verbreitet Burnout ist, was damit einhergeht und was eine Führungskraft an der Arbeit ändern kann.
In einer Gallup-Studie von 2019 fühlten sich 28 % der Vollzeitbeschäftigten sehr oft oder immer ausgebrannt. In Deutschland arbeiten 48 % häufig unter starkem Termin- oder Leistungsdruck; in Europa berichten über 40 % von hohem Zeitdruck. Die WHO zählt Burnout als berufsbezogenes Phänomen, nicht als Erkrankung. Gallup verbindet Burnout am stärksten mit unfairer Behandlung, nicht zu bewältigender Arbeitslast, unklaren Rollen, wenig Unterstützung durch die Führungskraft und unangemessenem Zeitdruck; Maslach und Leiter nennen sechs Bereiche, in denen Arbeit und Mensch nicht zusammenpassen.
Stiven Janaqi, Herausgeber
Titelthema
Mehr als jeder Vier te
In einer Studie von 2019 fragte Gallup 12.658 Vollzeitbeschäftigte, wie oft sie sich bei der Arbeit ausgebrannt fühlen. 28 % antworteten sehr oft oder immer, 76 % zumindest manchmal.
Wie oft sich Vollzeitbeschäftigte bei der Arbeit ausgebrannt fühlen (2019): Immer 7 %, Sehr oft 21 %, Manchmal 48 %, Selten 20 %, Nie 4 %.
Eine Gallup-Studie von 2018 mit rund 7.500 Vollzeitbeschäftigten fand 23 % sehr oft oder immer und 44 % manchmal. Die Stichproben sind verschieden, die beiden Werte ergeben also keinen Trend.
Unsere Lesar t
Die größte Gruppe sind die 48 %, die „manchmal“ sagen. Burnout zeigt sich in Abstufungen, nicht nur in seltenen Fällen.
Selbstauskünfte, keine Diagnosen; die eingesehenen Texte nennen das Land der Stichproben nicht.
Quellen: Gallup, 2020; Ben Wigert & Sangeeta Agrawal, Gallup, 2018
Die Zahlen
Druck in Deutschland und Europa
Die BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 fragte über 20.000 Erwerbstätige nach ihrer Arbeit. 48 % arbeiten häufig unter starkem Termin- oder Leistungsdruck, weniger als 2006 und 2012.
Häufig unter starkem Termin- oder Leistungsdruck, Deutschland: 2006 54 %, 2012 52 %, 2018 48 %.
Von den Betroffenen fühlen sich 67 % dadurch belastet, 2012 waren es 65 %. Im Frühjahr 2025 befragte EU-OSHA über 28.000 Beschäftigte in der EU, Island, Norwegen und der Schweiz telefonisch:
- > 40 % berichten von hohem Zeitdruck
- ≈ 1 von 3 hat das Gefühl, dass der eigene Einsatz nicht gesehen wird
- ≈ 30 % berichten von schlechter Kommunikation oder Zusammenarbeit
Selbstauskünfte; die deutschen Werte stammen von 2018, und EU-OSHA nennt nur gerundete Werte. Für Albanien liegen uns keine vergleichbaren Daten zu Burnout vor.
Quellen: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), 2020; EU-OSHA, 2025
Das Modell
Was die WHO Burnout nennt
Im Mai 2019 nahm die Weltgesundheitsorganisation Burn-out als berufsbezogenes Phänomen in ihre Internationale Klassifikation der Krankheiten, ICD-11, auf. „Es wird nicht als Erkrankung eingestuft.“
Sie beschreibt ein Syndrom als Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich bewältigt wurde, mit drei Dimensionen:
- Erschöpfung. Gefühl von Energieverlust oder Erschöpfung
- Distanz. mehr innere Distanz zur Arbeit oder Negativismus oder Zynismus ihr gegenüber
- Wirksamkeit. verringerte berufliche Wirksamkeit
Das Konzept bezieht sich nur auf die Arbeit und soll nicht für andere Lebensbereiche verwendet werden. In der ICD-11 hat es den Code QD85, unter den Problemen im Zusammenhang mit Beschäftigung, im Kapitel über Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen, nicht unter den Krankheiten. Die ICD-11 trat am 1. Januar 2022 in Kraft.
Unsere Lesar t
Die Definition zeigt auf die Arbeit, nicht auf den Menschen: Stress bei der Arbeit, der nicht bewältigt wurde. Die Arbeit zu steuern ist Aufgabe der Führungskraft, einen Menschen zu diagnostizieren nicht.
Der aktuelle ICD-11-Eintrag fasst die dritte Dimension als Gefühl von Unwirksamkeit und fehlender Leistung. Diese Ausgabe beschreibt eine Definition und gibt keinen medizinischen Rat.
Quellen: World Health Organization, 2019; World Health Organization, 2025
Mehr im Essay: Menschen führen, ohne den Menschen zu verlieren
Was die Forschung sagt
Was mit Burnout einhergeht
2018 nannten Ben Wigert und Sangeeta Agrawal von Gallup die fünf Faktoren, die bei rund 7.500 Vollzeitbeschäftigten am stärksten mit Burnout zusammenhingen.
Gallups Reihenfolge, 2018
- unfaire Behandlung bei der Arbeit
- nicht zu bewältigende Arbeitslast
- fehlende Rollenklarheit
- fehlende Kommunikation und Unterstützung durch die Führungskraft
- unangemessener Zeitdruck
- 2,3× so häufig hohes Burnout bei denen, die bei der Arbeit oft unfair behandelt werden
- ≈ 70 % seltener regelmäßig Burnout bei denen, die sich von ihrer Führungskraft unterstützt fühlen
- 70 % seltener hohes Burnout bei denen, die oft oder immer genug Zeit für ihre ganze Arbeit haben
Wer sich ausgebrannt fühlte, meldete sich mit 63 % höherer Wahrscheinlichkeit krank und suchte mit 2,6-facher Wahrscheinlichkeit aktiv eine andere Stelle.
Unsere Lesar t
Alle fünf Faktoren entstehen bei der Arbeit. Dort kann eine Führungskraft zuerst hinschauen.
Zusammenhänge aus Selbstauskünften, kein Beweis der Ursache. 2020 setzte Gallup unklare Kommunikation von Führungskräften und fehlende Unterstützung durch sie auf Platz drei und vier.
Quellen: Ben Wigert & Sangeeta Agrawal, Gallup, 2018; Gallup, 2020
Wie man es misst
Wo die Arbeit nicht passt
Christina Maslach und Michael Leiter beschreiben sechs Bereiche des Arbeitslebens, in denen Mensch und Arbeit schlecht zusammenpassen können. Je schlechter die Passung, desto wahrscheinlicher Burnout; je besser die Passung, desto wahrscheinlicher Engagement.
- Arbeitslast. Lässt sich die Arbeit in der vorhandenen Zeit schaffen?
- Kontrolle. Wer entscheidet, wie die Arbeit gemacht wird?
- Belohnung. Wird der Einsatz gesehen und belohnt?
- Gemeinscha
f t. Helfen die Menschen einander? - Fairness. Werden Arbeit und Entscheidungen fair verteilt?
- We
r te. Passt die Arbeit zu dem, was die Menschen für richtig halten?
Eine Metaanalyse von Eean Crawford, Jeffery LePine und Bruce Rich fand, dass Arbeitsanforderungen mit mehr Burnout einhergehen und Arbeitsressourcen mit weniger Burnout und mehr Engagement. Anforderungen, die Menschen als Hindernis sehen, gehen mit weniger Engagement einher; solche, die sie als Herausforderung sehen, mit mehr.
Die Fragen stammen von der Redaktion, nach den sechs Bereichen. Korrelationen, kein Beweis der Ursache; Maslach und Leiter merken an, dass wenige Studien Maßnahmen bewerten.
Quellen: Christina Maslach & Michael P. Leiter, World Psychiatry, 2016; Eean R. Crawford, Jeffery A. LePine & Bruce L. Rich, Journal of Applied Psychology, 2010
Werkzeug der Ausgabe
Das Gespräch über die Arbeitslast
Fünfzehn Minuten, unter vier Augen, alle paar Wochen. Es geht um die Arbeit, nicht um die Gesundheit: Die Führungskraft hört zu, fragt nach und notiert eine Änderung.
- Last was diese Woche ansteht, und was warten könnte
- Zeit wo Termine kollidieren, und wer sie gesetzt hat
- Entscheidungen was du selbst entscheiden kannst, und wo du auf andere wartest
- Fairness wo Arbeit oder Anerkennung ungleich verteilt wirken
- Unterstü
t zung was ich dir abnehmen, entscheiden oder für dich einfordern kann - Eine Änderung was, wer, bis wann; beim nächsten Mal wieder ansehen
Eine Praxis, die die Redaktion vorschlägt, nach Gallups fünf Faktoren (2018) und den sechs Bereichen des Arbeitslebens. Sie ersetzt keine ärztliche Hilfe.
Quellen: Ben Wigert & Sangeeta Agrawal, Gallup, 2018; Christina Maslach & Michael P. Leiter, World Psychiatry, 2016
Quellen und Methode
Jede Zahl hat eine Quelle.
Die Zahlen dieser Ausgabe stammen aus den folgenden Quellen. Das Jahr zeigt, wie aktuell jede ist.
- Gallup, “Gallup's Perspective on Employee Burnout: Causes and Cures”, 2020. https://www.gallup.com/file/workplace/282668/Gallups%20Perspective%20on%20Employee%20Burnout%20Causes%20and%20Cures.pdf
- EU-OSHA, “OSH Pulse 2025: Occupational safety and health in the era of climate and digital change”, 2025. https://osha.europa.eu/en/publications/osh-pulse-2025-occupational-safety-and-health-era-climate-and-digital-change
- Christina Maslach & Michael P. Leiter, World Psychiatry, “Understanding the burnout experience: recent research and its implications for psychiatry”, 2016. https://doi.org/10.1002/wps.20311
- Eean R. Crawford, Jeffery A. LePine & Bruce L. Rich, Journal of Applied Psychology, “Linking job demands and resources to employee engagement and burnout: A theoretical extension and meta-analytic test”, 2010. https://doi.org/10.1037/a0019364
- World Health Organization, “Burn-out an “occupational phenomenon”: International Classification of Diseases”, 2019. https://www.who.int/news/item/28-05-2019-burn-out-an-occupational-phenomenon-international-classification-of-diseases
- Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), “Stressreport Deutschland 2019”, 2020. https://www.baua.de/EN/Service/Publications/Report/Stress-report-2019
- Ben Wigert & Sangeeta Agrawal, Gallup, “Employee Burnout, Part 1: The 5 Main Causes”, 2018. https://www.gallup.com/workplace/237059/employee-burnout-part-main-causes.aspx
- World Health Organization, “ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics (2025-01): QD85 Burnout”, 2025. https://icd.who.int/browse/2025-01/mms/en#129180281
Redaktionelle Me thode
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