Management Review · Monatsausgabe · Oktober 2026 · Nr. 29

Burnout und Arbeitslast

Wie oft sich Menschen ausgebrannt fühlen, Druck in Deutschland und Europa, was die WHO als Burnout zählt, Gallups fünf Faktoren, sechs Bereiche des Arbeitslebens und eine Karte für ein Gespräch.

Nr.
29
Seiten
10
Quellen
8
Themen
Menschen
Stiven CatalystMonatsausgabe · Oktober 2026
ManagementReview

Management ohne Theater.

Menschen

Burnoutund Arbeitslast

Wie oft sich Menschen ausgebrannt fühlen, Druck in Deutschland und Europa, was die WHO als Burnout zählt, Gallups fünf Faktoren, sechs Bereiche des Arbeitslebens und eine Karte für ein Gespräch.

Nr.29

28 %

der Vollzeitbeschäftigten fühlen sich bei der Arbeit sehr oft oder immer ausgebrannt, in einer Studie von 2019 mit 12.658 Befragten.Gallup, 2020

In dieser Ausgabe

  1. TitelthemaMehr als jeder VierteSeite 03
  2. Das ModellWas die WHO zähltSeite 05
  3. Werkzeug der AusgabeDas Gespräch über die ArbeitslastSeite 08

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Management Review · Nr. 29 · Oktober 2026Menschen
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Nr. 29 · Menschen

In dieser Ausgabe

Burnout wird oft als persönliches Problem behandelt. Die WHO verortet es in der Arbeit: chronischer Stress am Arbeitsplatz, der nicht bewältigt wurde. Diese Ausgabe zeigt, wie verbreitet Burnout ist, was damit einhergeht und was eine Führungskraft an der Arbeit ändern kann.

In einer Gallup-Studie von 2019 fühlten sich 28 % der Vollzeitbeschäftigten sehr oft oder immer ausgebrannt. In Deutschland arbeiten 48 % häufig unter starkem Termin- oder Leistungsdruck; in Europa berichten über 40 % von hohem Zeitdruck. Die WHO zählt Burnout als berufsbezogenes Phänomen, nicht als Erkrankung. Gallup verbindet Burnout am stärksten mit unfairer Behandlung, nicht zu bewältigender Arbeitslast, unklaren Rollen, wenig Unterstützung durch die Führungskraft und unangemessenem Zeitdruck; Maslach und Leiter nennen sechs Bereiche, in denen Arbeit und Mensch nicht zusammenpassen.

  1. 03TitelthemaMehr als jeder Vierte
  2. 04Die ZahlenDruck in Deutschland und Europa
  3. 05Das ModellWas die WHO Burnout nennt
  4. 06Was die Forschung sagtWas mit Burnout einhergeht
  5. 07Wie man es misstWo die Arbeit nicht passt
  6. 08Werkzeug der AusgabeDas Gespräch über die Arbeitslast
  7. 09QuellenQuellen und Methode

So lesen Sie diese Ausgabe

Zahl

Jede Zahl hat Quelle und Jahr unten auf ihrer Seite.

Unsere Lesart

Wo die Redaktion deutet und nicht die Forschung, steht es dabei.

Praxis

Schritte und Karte sind Vorschläge zum Ausprobieren, keine Forschungsergebnisse.

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Titelthema

Mehr alsjeder Vierte

In einer Studie von 2019 fragte Gallup 12.658 Vollzeitbeschäftigte, wie oft sie sich bei der Arbeit ausgebrannt fühlen. 28 % antworteten sehr oft oder immer, 76 % zumindest manchmal.

Wie oft sich Vollzeitbeschäftigte bei der Arbeit ausgebrannt fühlen (2019)

Immer7 %Sehr oft21 %Manchmal48 %Selten20 %Nie4 %

Eine Gallup-Studie von 2018 mit rund 7.500 Vollzeitbeschäftigten fand 23 % sehr oft oder immer und 44 % manchmal. Die Stichproben sind verschieden, die beiden Werte ergeben also keinen Trend.

Unsere Lesart

Die größte Gruppe sind die 48 %, die „manchmal“ sagen. Burnout zeigt sich in Abstufungen, nicht nur in seltenen Fällen.

Quellen: Gallup, 2020; Ben Wigert & Sangeeta Agrawal, Gallup, 2018

Selbstauskünfte, keine Diagnosen; die eingesehenen Texte nennen das Land der Stichproben nicht.

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Die Zahlen

Druck inDeutschland und Europa

Die BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 fragte über 20.000 Erwerbstätige nach ihrer Arbeit. 48 % arbeiten häufig unter starkem Termin- oder Leistungsdruck, weniger als 2006 und 2012.

Häufig unter starkem Termin- oder Leistungsdruck, Deutschland

020406020062012201854 %52 %48 %

Von den Betroffenen fühlen sich 67 % dadurch belastet, 2012 waren es 65 %. Im Frühjahr 2025 befragte EU-OSHA über 28.000 Beschäftigte in der EU, Island, Norwegen und der Schweiz telefonisch:

> 40 %berichten von hohem Zeitdruck
≈ 1 von 3hat das Gefühl, dass der eigene Einsatz nicht gesehen wird
≈ 30 %berichten von schlechter Kommunikation oder Zusammenarbeit

Quellen: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), 2020; EU-OSHA, 2025

Selbstauskünfte; die deutschen Werte stammen von 2018, und EU-OSHA nennt nur gerundete Werte. Für Albanien liegen uns keine vergleichbaren Daten zu Burnout vor.

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Das Modell

Was die WHOBurnout nennt

Im Mai 2019 nahm die Weltgesundheitsorganisation Burn-out als berufsbezogenes Phänomen in ihre Internationale Klassifikation der Krankheiten, ICD-11, auf. „Es wird nicht als Erkrankung eingestuft.“

Sie beschreibt ein Syndrom als Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich bewältigt wurde, mit drei Dimensionen:

01

Erschöpfung

Gefühl von Energieverlust oder Erschöpfung

02

Distanz

mehr innere Distanz zur Arbeit oder Negativismus oder Zynismus ihr gegenüber

03

Wirksamkeit

verringerte berufliche Wirksamkeit

Das Konzept bezieht sich nur auf die Arbeit und soll nicht für andere Lebensbereiche verwendet werden. In der ICD-11 hat es den Code QD85, unter den Problemen im Zusammenhang mit Beschäftigung, im Kapitel über Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen, nicht unter den Krankheiten. Die ICD-11 trat am 1. Januar 2022 in Kraft.

Unsere Lesart

Die Definition zeigt auf die Arbeit, nicht auf den Menschen: Stress bei der Arbeit, der nicht bewältigt wurde. Die Arbeit zu steuern ist Aufgabe der Führungskraft, einen Menschen zu diagnostizieren nicht.

Quellen: World Health Organization, 2019; World Health Organization, 2025

Der aktuelle ICD-11-Eintrag fasst die dritte Dimension als Gefühl von Unwirksamkeit und fehlender Leistung. Diese Ausgabe beschreibt eine Definition und gibt keinen medizinischen Rat.

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Was die Forschung sagt

Was mit Burnouteinhergeht

2018 nannten Ben Wigert und Sangeeta Agrawal von Gallup die fünf Faktoren, die bei rund 7.500 Vollzeitbeschäftigten am stärksten mit Burnout zusammenhingen.

Gallups Reihenfolge, 2018

  1. unfaire Behandlung bei der Arbeit
  2. nicht zu bewältigende Arbeitslast
  3. fehlende Rollenklarheit
  4. fehlende Kommunikation und Unterstützung durch die Führungskraft
  5. unangemessener Zeitdruck
2,3×so häufig hohes Burnout bei denen, die bei der Arbeit oft unfair behandelt werden
≈ 70 %seltener regelmäßig Burnout bei denen, die sich von ihrer Führungskraft unterstützt fühlen
70 %seltener hohes Burnout bei denen, die oft oder immer genug Zeit für ihre ganze Arbeit haben

Wer sich ausgebrannt fühlte, meldete sich mit 63 % höherer Wahrscheinlichkeit krank und suchte mit 2,6-facher Wahrscheinlichkeit aktiv eine andere Stelle.

Unsere Lesart

Alle fünf Faktoren entstehen bei der Arbeit. Dort kann eine Führungskraft zuerst hinschauen.

Quellen: Ben Wigert & Sangeeta Agrawal, Gallup, 2018; Gallup, 2020

Zusammenhänge aus Selbstauskünften, kein Beweis der Ursache. 2020 setzte Gallup unklare Kommunikation von Führungskräften und fehlende Unterstützung durch sie auf Platz drei und vier.

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Wie man es misst

Wo die Arbeitnicht passt

Christina Maslach und Michael Leiter beschreiben sechs Bereiche des Arbeitslebens, in denen Mensch und Arbeit schlecht zusammenpassen können. Je schlechter die Passung, desto wahrscheinlicher Burnout; je besser die Passung, desto wahrscheinlicher Engagement.

01

Arbeitslast

Lässt sich die Arbeit in der vorhandenen Zeit schaffen?

02

Kontrolle

Wer entscheidet, wie die Arbeit gemacht wird?

03

Belohnung

Wird der Einsatz gesehen und belohnt?

04

Gemeinschaft

Helfen die Menschen einander?

05

Fairness

Werden Arbeit und Entscheidungen fair verteilt?

06

Werte

Passt die Arbeit zu dem, was die Menschen für richtig halten?

Eine Metaanalyse von Eean Crawford, Jeffery LePine und Bruce Rich fand, dass Arbeitsanforderungen mit mehr Burnout einhergehen und Arbeitsressourcen mit weniger Burnout und mehr Engagement. Anforderungen, die Menschen als Hindernis sehen, gehen mit weniger Engagement einher; solche, die sie als Herausforderung sehen, mit mehr.

Quellen: Christina Maslach & Michael P. Leiter, World Psychiatry, 2016; Eean R. Crawford, Jeffery A. LePine & Bruce L. Rich, Journal of Applied Psychology, 2010

Die Fragen stammen von der Redaktion, nach den sechs Bereichen. Korrelationen, kein Beweis der Ursache; Maslach und Leiter merken an, dass wenige Studien Maßnahmen bewerten.

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Werkzeug der Ausgabe

Das Gespräch überdie Arbeitslast

Fünfzehn Minuten, unter vier Augen, alle paar Wochen. Es geht um die Arbeit, nicht um die Gesundheit: Die Führungskraft hört zu, fragt nach und notiert eine Änderung.

  1. 01Lastwas diese Woche ansteht, und was warten könnte

  2. 02Zeitwo Termine kollidieren, und wer sie gesetzt hat

  3. 03Entscheidungenwas du selbst entscheiden kannst, und wo du auf andere wartest

  4. 04Fairnesswo Arbeit oder Anerkennung ungleich verteilt wirken

  5. 05Unterstützungwas ich dir abnehmen, entscheiden oder für dich einfordern kann

  6. 06Eine Änderungwas, wer, bis wann; beim nächsten Mal wieder ansehen

Quellen: Ben Wigert & Sangeeta Agrawal, Gallup, 2018; Christina Maslach & Michael P. Leiter, World Psychiatry, 2016

Eine Praxis, die die Redaktion vorschlägt, nach Gallups fünf Faktoren (2018) und den sechs Bereichen des Arbeitslebens. Sie ersetzt keine ärztliche Hilfe.

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Quellen und Methode

Jede Zahlhat eine Quelle.

Die Zahlen dieser Ausgabe stammen aus den folgenden Quellen. Das Jahr zeigt, wie aktuell jede ist.

  1. Gallup's Perspective on Employee Burnout: Causes and CuresGallup, 2020https://www.gallup.com/file/workplace/282668/Gallups%20Perspective%20on%20Employee%20Burnout%20Causes%20and%20Cures.pdf
  2. OSH Pulse 2025: Occupational safety and health in the era of climate and digital changeEU-OSHA, 2025https://osha.europa.eu/en/publications/osh-pulse-2025-occupational-safety-and-health-era-climate-and-digital-change
  3. Understanding the burnout experience: recent research and its implications for psychiatryChristina Maslach & Michael P. Leiter, World Psychiatry, 2016https://doi.org/10.1002/wps.20311
  4. Linking job demands and resources to employee engagement and burnout: A theoretical extension and meta-analytic testEean R. Crawford, Jeffery A. LePine & Bruce L. Rich, Journal of Applied Psychology, 2010https://doi.org/10.1037/a0019364
  5. Burn-out an “occupational phenomenon”: International Classification of DiseasesWorld Health Organization, 2019https://www.who.int/news/item/28-05-2019-burn-out-an-occupational-phenomenon-international-classification-of-diseases
  6. Stressreport Deutschland 2019Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), 2020https://www.baua.de/EN/Service/Publications/Report/Stress-report-2019
  7. Employee Burnout, Part 1: The 5 Main CausesBen Wigert & Sangeeta Agrawal, Gallup, 2018https://www.gallup.com/workplace/237059/employee-burnout-part-main-causes.aspx
  8. ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics (2025-01): QD85 BurnoutWorld Health Organization, 2025https://icd.who.int/browse/2025-01/mms/en#129180281
Redaktionelle Methode

Jede Zahl wurde auf Jahr, Herausgeber und genaue Bedeutung geprüft. Wo die Seite des Herausgebers nicht erreichbar war, wurde sie an unabhängigen Zusammenfassungen geprüft und mit „über“ markiert. Die Deutung der Redaktion ist als „Unsere Lesart“ markiert. Zahlen, die sich nicht bestätigen ließen, stehen nicht in der Ausgabe.

ManagementReview

Management ohne Theater.

Jede Ausgabe eine Führungsfrage, geprüft an der besten Forschung.

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Management Review · Nr. 29 · Oktober 2026 · Stiven Catalyst

Management Review · Nr. 29

Die Zahlen der Ausgabe

Die Grafiken der gedruckten Seiten, mit ihren Quellen.

TitelthemaWie oft sich Vollzeitbeschäftigte bei der Arbeit ausgebrannt fühlen (2019)
Immer7 %Sehr oft21 %Manchmal48 %Selten20 %Nie4 %
Immer7 %Sehr oft21 %Manchmal48 %Selten20 %Nie4 %

Quelle: Gallup, 2020

Die ZahlenHäufig unter starkem Termin- oder Leistungsdruck, Deutschland
020406020062012201854 %52 %48 %
020406020062012201854 %52 %48 %

Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), 2020

Der ganze Text Die Ausgabe als Text lesen Zum Lesen auf kleinen Bildschirmen, zum Suchen oder mit Screenreader. Dieselben Worte, ohne die Seitengestaltung.

In dieser Ausgabe

Burnout wird oft als persönliches Problem behandelt. Die WHO verortet es in der Arbeit: chronischer Stress am Arbeitsplatz, der nicht bewältigt wurde. Diese Ausgabe zeigt, wie verbreitet Burnout ist, was damit einhergeht und was eine Führungskraft an der Arbeit ändern kann.

In einer Gallup-Studie von 2019 fühlten sich 28 % der Vollzeitbeschäftigten sehr oft oder immer ausgebrannt. In Deutschland arbeiten 48 % häufig unter starkem Termin- oder Leistungsdruck; in Europa berichten über 40 % von hohem Zeitdruck. Die WHO zählt Burnout als berufsbezogenes Phänomen, nicht als Erkrankung. Gallup verbindet Burnout am stärksten mit unfairer Behandlung, nicht zu bewältigender Arbeitslast, unklaren Rollen, wenig Unterstützung durch die Führungskraft und unangemessenem Zeitdruck; Maslach und Leiter nennen sechs Bereiche, in denen Arbeit und Mensch nicht zusammenpassen.

Stiven Janaqi, Herausgeber

Titelthema

Mehr als jeder Vierte

In einer Studie von 2019 fragte Gallup 12.658 Vollzeitbeschäftigte, wie oft sie sich bei der Arbeit ausgebrannt fühlen. 28 % antworteten sehr oft oder immer, 76 % zumindest manchmal.

Wie oft sich Vollzeitbeschäftigte bei der Arbeit ausgebrannt fühlen (2019): Immer 7 %, Sehr oft 21 %, Manchmal 48 %, Selten 20 %, Nie 4 %.

Eine Gallup-Studie von 2018 mit rund 7.500 Vollzeitbeschäftigten fand 23 % sehr oft oder immer und 44 % manchmal. Die Stichproben sind verschieden, die beiden Werte ergeben also keinen Trend.

Unsere Lesart

Die größte Gruppe sind die 48 %, die „manchmal“ sagen. Burnout zeigt sich in Abstufungen, nicht nur in seltenen Fällen.

Selbstauskünfte, keine Diagnosen; die eingesehenen Texte nennen das Land der Stichproben nicht.

Quellen: Gallup, 2020; Ben Wigert & Sangeeta Agrawal, Gallup, 2018

Die Zahlen

Druck in Deutschland und Europa

Die BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 fragte über 20.000 Erwerbstätige nach ihrer Arbeit. 48 % arbeiten häufig unter starkem Termin- oder Leistungsdruck, weniger als 2006 und 2012.

Häufig unter starkem Termin- oder Leistungsdruck, Deutschland: 2006 54 %, 2012 52 %, 2018 48 %.

Von den Betroffenen fühlen sich 67 % dadurch belastet, 2012 waren es 65 %. Im Frühjahr 2025 befragte EU-OSHA über 28.000 Beschäftigte in der EU, Island, Norwegen und der Schweiz telefonisch:

  • > 40 % berichten von hohem Zeitdruck
  • ≈ 1 von 3 hat das Gefühl, dass der eigene Einsatz nicht gesehen wird
  • ≈ 30 % berichten von schlechter Kommunikation oder Zusammenarbeit

Selbstauskünfte; die deutschen Werte stammen von 2018, und EU-OSHA nennt nur gerundete Werte. Für Albanien liegen uns keine vergleichbaren Daten zu Burnout vor.

Quellen: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), 2020; EU-OSHA, 2025

Das Modell

Was die WHO Burnout nennt

Im Mai 2019 nahm die Weltgesundheitsorganisation Burn-out als berufsbezogenes Phänomen in ihre Internationale Klassifikation der Krankheiten, ICD-11, auf. „Es wird nicht als Erkrankung eingestuft.“

Sie beschreibt ein Syndrom als Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich bewältigt wurde, mit drei Dimensionen:

  • Erschöpfung. Gefühl von Energieverlust oder Erschöpfung
  • Distanz. mehr innere Distanz zur Arbeit oder Negativismus oder Zynismus ihr gegenüber
  • Wirksamkeit. verringerte berufliche Wirksamkeit

Das Konzept bezieht sich nur auf die Arbeit und soll nicht für andere Lebensbereiche verwendet werden. In der ICD-11 hat es den Code QD85, unter den Problemen im Zusammenhang mit Beschäftigung, im Kapitel über Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen, nicht unter den Krankheiten. Die ICD-11 trat am 1. Januar 2022 in Kraft.

Unsere Lesart

Die Definition zeigt auf die Arbeit, nicht auf den Menschen: Stress bei der Arbeit, der nicht bewältigt wurde. Die Arbeit zu steuern ist Aufgabe der Führungskraft, einen Menschen zu diagnostizieren nicht.

Der aktuelle ICD-11-Eintrag fasst die dritte Dimension als Gefühl von Unwirksamkeit und fehlender Leistung. Diese Ausgabe beschreibt eine Definition und gibt keinen medizinischen Rat.

Quellen: World Health Organization, 2019; World Health Organization, 2025

Mehr im Essay: Menschen führen, ohne den Menschen zu verlieren

Was die Forschung sagt

Was mit Burnout einhergeht

2018 nannten Ben Wigert und Sangeeta Agrawal von Gallup die fünf Faktoren, die bei rund 7.500 Vollzeitbeschäftigten am stärksten mit Burnout zusammenhingen.

Gallups Reihenfolge, 2018

  1. unfaire Behandlung bei der Arbeit
  2. nicht zu bewältigende Arbeitslast
  3. fehlende Rollenklarheit
  4. fehlende Kommunikation und Unterstützung durch die Führungskraft
  5. unangemessener Zeitdruck
  • 2,3× so häufig hohes Burnout bei denen, die bei der Arbeit oft unfair behandelt werden
  • ≈ 70 % seltener regelmäßig Burnout bei denen, die sich von ihrer Führungskraft unterstützt fühlen
  • 70 % seltener hohes Burnout bei denen, die oft oder immer genug Zeit für ihre ganze Arbeit haben

Wer sich ausgebrannt fühlte, meldete sich mit 63 % höherer Wahrscheinlichkeit krank und suchte mit 2,6-facher Wahrscheinlichkeit aktiv eine andere Stelle.

Unsere Lesart

Alle fünf Faktoren entstehen bei der Arbeit. Dort kann eine Führungskraft zuerst hinschauen.

Zusammenhänge aus Selbstauskünften, kein Beweis der Ursache. 2020 setzte Gallup unklare Kommunikation von Führungskräften und fehlende Unterstützung durch sie auf Platz drei und vier.

Quellen: Ben Wigert & Sangeeta Agrawal, Gallup, 2018; Gallup, 2020

Wie man es misst

Wo die Arbeit nicht passt

Christina Maslach und Michael Leiter beschreiben sechs Bereiche des Arbeitslebens, in denen Mensch und Arbeit schlecht zusammenpassen können. Je schlechter die Passung, desto wahrscheinlicher Burnout; je besser die Passung, desto wahrscheinlicher Engagement.

  • Arbeitslast. Lässt sich die Arbeit in der vorhandenen Zeit schaffen?
  • Kontrolle. Wer entscheidet, wie die Arbeit gemacht wird?
  • Belohnung. Wird der Einsatz gesehen und belohnt?
  • Gemeinschaft. Helfen die Menschen einander?
  • Fairness. Werden Arbeit und Entscheidungen fair verteilt?
  • Werte. Passt die Arbeit zu dem, was die Menschen für richtig halten?

Eine Metaanalyse von Eean Crawford, Jeffery LePine und Bruce Rich fand, dass Arbeitsanforderungen mit mehr Burnout einhergehen und Arbeitsressourcen mit weniger Burnout und mehr Engagement. Anforderungen, die Menschen als Hindernis sehen, gehen mit weniger Engagement einher; solche, die sie als Herausforderung sehen, mit mehr.

Die Fragen stammen von der Redaktion, nach den sechs Bereichen. Korrelationen, kein Beweis der Ursache; Maslach und Leiter merken an, dass wenige Studien Maßnahmen bewerten.

Quellen: Christina Maslach & Michael P. Leiter, World Psychiatry, 2016; Eean R. Crawford, Jeffery A. LePine & Bruce L. Rich, Journal of Applied Psychology, 2010

Werkzeug der Ausgabe

Das Gespräch über die Arbeitslast

Fünfzehn Minuten, unter vier Augen, alle paar Wochen. Es geht um die Arbeit, nicht um die Gesundheit: Die Führungskraft hört zu, fragt nach und notiert eine Änderung.

  1. Last was diese Woche ansteht, und was warten könnte
  2. Zeit wo Termine kollidieren, und wer sie gesetzt hat
  3. Entscheidungen was du selbst entscheiden kannst, und wo du auf andere wartest
  4. Fairness wo Arbeit oder Anerkennung ungleich verteilt wirken
  5. Unterstützung was ich dir abnehmen, entscheiden oder für dich einfordern kann
  6. Eine Änderung was, wer, bis wann; beim nächsten Mal wieder ansehen

Eine Praxis, die die Redaktion vorschlägt, nach Gallups fünf Faktoren (2018) und den sechs Bereichen des Arbeitslebens. Sie ersetzt keine ärztliche Hilfe.

Quellen: Ben Wigert & Sangeeta Agrawal, Gallup, 2018; Christina Maslach & Michael P. Leiter, World Psychiatry, 2016

Quellen und Methode

Jede Zahl hat eine Quelle.

Die Zahlen dieser Ausgabe stammen aus den folgenden Quellen. Das Jahr zeigt, wie aktuell jede ist.

Redaktionelle Methode

Jede Zahl wurde auf Jahr, Herausgeber und genaue Bedeutung geprüft. Wo die Seite des Herausgebers nicht erreichbar war, wurde sie an unabhängigen Zusammenfassungen geprüft und mit „über“ markiert. Die Deutung der Redaktion ist als „Unsere Lesart“ markiert. Zahlen, die sich nicht bestätigen ließen, stehen nicht in der Ausgabe.

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